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Active Sourcing: Kandidaten direkt ansprechen, Ablauf, Vorlagen und rechtliche Grenzen

Beim Active Sourcing sprechen Sie Menschen an, die sich nicht von selbst gemeldet haben. Das ergänzt Anzeigen, ist aber aufwendig und rechtlich enger gefasst. Diese Seite zeigt Wege, Ablauf, zwei Vorlagen und die Grenzen nach UWG und DSGVO.

Laptop zeigt eine abstrakte Liste von Profilkarten mit Platzhalterbildern, daneben ein Notizbuch mit Stichworten und ein Stift, Text unleserlich
Active Sourcing beginnt mit einem klaren Profil, nicht mit einer Suchmaske.

Wonach gesucht wird

Quelle: SE Ranking, Deutschland, Oktober 2026 (Keyword Difficulty, KD, Skala 0 bis 100; CPC = geschätzter Klickpreis). Es sind Schätzwerte eines Keyword-Tools.

SuchbegriffSuchen pro MonatKDCPC
active sourcing320294,55 €
linkedin recruiting1101014,26 €
xing recruiting40322,51 €
active sourcing linkedin30136,87 €
direktansprache kandidaten107ohne Angabe

„Active sourcing“ ist der große Begriff und mit KD 29 mittelschwer. „Linkedin recruiting“ ist kleiner, aber leicht (KD 10) und hat mit 14,26 € einen sehr hohen geschätzten Klickpreis, ein Hinweis auf Kaufabsicht. „Xing recruiting“ ist kleiner und mit KD 32 schwerer.

Wege der Direktansprache

WegSo geht esBesonderheit
Berufliche NetzwerkeProfile nach Beruf, Ort und Erfahrung suchen, Nachricht schreibenNutzungsbedingungen des Netzwerks für Recruiting prüfen
Empfehlungen aus dem TeamMitarbeiter nennen Menschen, die passen könntenDer Kontakt geht von der empfehlenden Person aus
Eigene NetzwerkeInnung, Kammer, Verein, frühere KollegenPersönliche Ansprache, kein Massenversand
Frühere BewerberTalentpool, wenn eingewilligt wurdeEinwilligung und Speicherdauer klären, siehe Bewerbermanagement-Software
Bewerberbörse der BundesagenturProfile von Menschen, die eine Stelle suchen, mit Filtern durchsuchen und Kontakt aufnehmenZugang über das Konto bei der Bundesagentur

Quelle für die Bewerberbörse: Bundesagentur für Arbeit, Seite „Stellenangebote online veröffentlichen“, Stand 13. Oktober 2026.

Smartphone mit einer abstrakten Chat-Nachricht neben einem Notizblock mit Entwurf auf einem Schreibtisch, Text unleserlich
Die erste Nachricht ist kurz, sachlich und lässt ein Nein zu.

Ablauf und Vorlagen

  1. Profil festlegen: Was ist Muss, was Kann, welcher Ort?
  2. Eine kurze Liste erstellen und nach Qualifikation auswählen, nicht nach geschützten Merkmalen.
  3. Erste Nachricht senden: kurz, mit Bezug, mit Hinweis auf die Datenschutzinformation.
  4. Bei Interesse ein Gespräch anbieten, bei Desinteresse die Antwort respektieren und die Daten löschen.
  5. Jeden Schritt dokumentieren: Quelle, Datum, Information, Antwort.
  6. Nach der Besetzung Daten nach Ihrem Löschkonzept entfernen.

Führen Sie über jede Ansprache Buch: Quelle, Datum, Inhalt der Information, Antwort und Löschdatum. Diese Liste ist Ihr Nachweis gegenüber der angesprochenen Person und gegenüber der Aufsicht.

ZweckTextvorschlag
Erste NachrichtGuten Tag Frau oder Herr Nachname, mir ist Ihr Profil aufgefallen. Wir suchen in Ort eine Fachkraft als Beruf, Ihre Erfahrung mit Thema passt dazu. Dürfte ich Ihnen die Stelle in einigen Sätzen schicken? Wenn nicht, melde ich mich nicht wieder. Hinweise zum Datenschutz: Link zur Information. Freundliche Grüße, Name, Betrieb
Nach einem NeinVielen Dank für Ihre Antwort. Ich melde mich nicht mehr bei Ihnen und lösche Ihre Kontaktdaten bei uns. Alles Gute weiterhin.

Rechtliche Grenzen, allgemein

  • UWG: Als stets unzumutbare Belästigung nennt § 7 Abs. 2 UWG Werbung mit Telefonanrufen ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung (Verbraucher) beziehungsweise ohne zumindest mutmaßliche Einwilligung (sonstige Marktteilnehmer) und Werbung mit elektronischer Post ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung. Ob eine erste Nachricht mit einem Stellenangebot darunter fällt, ist eine Rechtsfrage im Einzelfall, die wir hier nicht beantworten.
  • Telefon am Arbeitsplatz: Der Bundesgerichtshof hielt am 4. März 2004 (I ZR 221/01) ein Erstgespräch eines Personalberaters für zulässig, wenn der Angerufene nach seinem Interesse an einer neuen Stelle gefragt und die Stelle kurz beschrieben wird. Unzulässig wird es, wenn Desinteresse missachtet oder das Gespräch über eine knappe Stellenbeschreibung hinaus ausgedehnt wird. Das Urteil betraf einen Personalberater im Auftrag eines Wettbewerbers, übertragen Sie es nicht ungeprüft.
  • DSGVO: Haben Sie die Daten nicht bei der Person selbst erhoben, müssen Sie nach Art. 14 informieren, unter anderem über Verantwortlichen, Zweck, Rechtsgrundlage, Speicherdauer und Quelle. Die Information gilt spätestens mit der ersten Mitteilung, wenn die Daten zur Kommunikation genutzt werden, sonst innerhalb eines Monats (Art. 14 Abs. 3).
  • AGG: Auch Bewerber, die Sie ansprechen, gelten als Beschäftigte (§ 6 Abs. 1 AGG).
  • Aufsicht: Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht fragt in seinem Prüfbogen zu Bewerberdaten ausdrücklich nach der Nutzung von Quellen wie Facebook, Google, Xing und LinkedIn und nach internen Regeln dazu.

Das ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Nachricht, Information und Löschkonzept vor dem Start prüfen. Quellen: UWG § 7 und AGG § 6 (gesetze-im-internet.de), DSGVO Art. 14, BGH I ZR 221/01, BayLDA-Prüfbogen, abgerufen am 13. Oktober 2026. Mehr zu Werbung per E-Mail und Telefon: Lead-Generierung und Recht und Kaltakquise im B2B.

Person von hinten an einem Schreibtisch mit Festnetztelefon und Notizblock in einem Büro, Gesicht nicht sichtbar
Telefonische Ansprache braucht besondere Zurückhaltung.

Häufige Fragen

Darf ich Kandidaten anrufen?›
Der Bundesgerichtshof hielt 2004 ein kurzes Erstgespräch eines Personalberaters am Arbeitsplatz für zulässig, wenn es nicht ausgedehnt und Desinteresse respektiert wird. Ob das auf Ihren Fall passt, ist eine Einzelfallfrage. Das ist keine Rechtsberatung.
Muss ich Kandidaten über die Datenverarbeitung informieren?›
Ja, wenn Sie die Daten nicht bei der Person selbst erhoben haben, gilt Art. 14 DSGVO. Die Information kommt spätestens mit der ersten Nachricht oder innerhalb eines Monats.
Lohnt sich Active Sourcing für kleine Betriebe?›
Es braucht Zeit für Suche und Pflege und eignet sich eher für schwer zu besetzende Stellen mit klarem Profil. Eine belegte Erfolgsquote nennen wir nicht.
Wie ergänze ich Active Sourcing mit Anzeigen?›
Beides ergänzt sich: Die Anzeige erreicht aktiv Suchende, die Ansprache die anderen. Siehe Social-Media-Recruiting.

Stand: 13. Oktober 2026

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