KI in Kanzlei und Steuerbüro: Verschwiegenheit, Haftung und Information der Mandanten

Das Berufsrecht ist technologieneutral: Auch beim Einsatz von KI gelten Verschwiegenheit, gewissenhafte Berufsausübung und eigene Verantwortung für das Ergebnis, so die BRAK. Diese Seite fasst zusammen, was BRAK und Bundessteuerberaterkammer dazu veröffentlicht haben und was offen bleibt. Sie ist keine Rechtsberatung und sagt nichts darüber, ob ein Einsatz in Ihrem Einzelfall zulässig ist.

Eine Hand zeigt auf eine Freigabe-Schaltfläche im Dialogfenster eines Laptop-Bildschirms, Gesicht nicht sichtbar, Text unleserlich
Was KI vorbereitet, gibt in der Kanzlei erst die Berufsträgerin oder der Berufsträger frei.

Wonach gesucht wird

Quelle: SE Ranking, Deutschland, Oktober 2026 (Keyword Difficulty, KD, Skala 0 bis 100; CPC = geschätzter Klickpreis). Es sind Schätzwerte eines Keyword-Tools.

SuchbegriffSuchen pro MonatKDCPC
ki für anwälte260453,08 €
ki für steuerberater170392,11 €
ki kanzlei50562,66 €
ki steuerberater10451,74 €

Die Begriffe sind klein und mit KD 39 bis 56 mittelschwer bis schwer. „ki für anwälte“ hat 260 Suchen, „ki für steuerberater“ 170, ohne „für“ sind es nur 10. Gesucht wird hier vermutlich vor allem die Frage, was erlaubt ist.

Verschwiegenheit: Normen und Hinweise der Kammern

NormInhalt in Kürze
§ 43a Abs. 2 BRAO, § 57 Abs. 1 StBerGDie Verschwiegenheit bezieht sich auf alles, was in Ausübung des Berufs bekannt geworden ist
§ 203 Abs. 1 Nr. 3 StGBWer als Rechtsanwalt oder Steuerberater unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbart, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft
§ 203 Abs. 3 und 4 StGBGeheimnisse dürfen mitwirkenden Personen zugänglich gemacht werden, soweit erforderlich. Strafbar ist auch, nicht für deren Verpflichtung zur Geheimhaltung zu sorgen
§ 43e BRAO, § 62a StBerGDienstleister: Zugang nur soweit erforderlich, sorgfältige Auswahl, Vertrag in Textform mit Verpflichtung zur Verschwiegenheit, bei Leistungen im Ausland vergleichbarer Schutz, bei Leistungen für ein einzelnes Mandat Einwilligung des Mandanten
  • BRAK (Stand Dezember 2024): Vertrauliche Mandanteninformationen gehören nur unter den Voraussetzungen des § 43e BRAO zu KI-Anbietern. Wenn möglich sollen nur abstrakte Anfragen gestellt und Dokumente vorher vollständig anonymisiert werden. Die Übermittlung von Mandatsgeheimnissen an Sprachmodelle sei nach dem Stand der Technik nicht erforderlich. Für den Zugang genügt, dass der Anbieter Kenntnis nehmen könnte.
  • BStBK (Stand 27. Januar 2026, Rechtsstand Juli 2025): Bei öffentlich zugänglicher KI dürfen ohne Einwilligung des Mandanten keine Daten eingegeben werden, die Rückschlüsse auf Mandanten zulassen, außer die Voraussetzungen des § 62a StBerG sind erfüllt. Ob § 62a Abs. 5 beim Einsatz von KI in einem einzelnen Mandat greift, sei nicht zweifelsfrei zu beantworten. Daher Einwilligung einholen oder anonymisieren und pseudonymisieren.
Regalreihe mit Nachschlagewerken und Lexika in einer Bibliothek, Buchrücken ohne lesbare Titel
Gesetze und Nachschlagewerke bleiben die Quelle: Eine KI-Antwort ersetzt die Prüfung der Norm nicht.

Typische Einsätze und die nötige Prüfung

EinsatzWas dazugehört
Recherche und ZusammenfassungOhne Mandatsbezug formulieren oder anonymisieren, Fundstellen in der Primärquelle prüfen. Das Kammergericht Berlin hielt Anwälte an, mit KI verfasste Schriftsätze zu prüfen, nachdem ein Schriftsatz erfundene Rechtsprechungszitate enthielt (BRAK-Meldung vom 8. Juni 2026 zum Beschluss vom 20. November 2025, 17 WF 144/25).
Entwurf von Schreiben und SchriftsätzenEntwurf mit Endkontrolle: Nach der BRAK ist die eigenverantwortliche Überprüfung der KI-Ergebnisse in jedem Fall erforderlich
Belege, Datenextraktion, VorprüfungDie BStBK-FAQ nennt Belegverarbeitung, Datenextraktion und Vorprüfung von Steuererklärungen als automatisierbar. Das Vier-Augen-Prinzip bleibt
Mandatsaufnahme und PosteingangAnfragen nach Themen sortieren, Checklisten vorbereiten. Laut BStBK prüft eine Person jede automatisierte Auswertung vor der Annahme
Chatbot oder Auto-ResponderLaut BRAK gilt ein höherer Sorgfaltsmaßstab, es darf nicht der Eindruck entstehen, eine anwaltliche Prüfung sei nicht nötig. Hinweis auf die KI nach Art. 50 Abs. 1 der KI-Verordnung (Stand 14.10.2026, spätere Änderungen sind nicht geprüft)

Haftung, Versicherung und Information der Mandanten

  • Haftung: Die BRAK verlangt die eigene Überprüfung der KI-Ergebnisse, um Fehler und haftungsrechtliche Folgen zu vermeiden. Nach der BStBK entbinden KI-Werkzeuge nicht von der beruflichen Verantwortung.
  • Versicherung: Die BRAK weist darauf hin, dass ab einem gewissen Automatisierungsgrad fraglich sein kann, ob noch eine anwaltliche Tätigkeit vorliegt, mit möglichen Folgen für Steuer und Deckung der Berufshaftpflicht. Fragen Sie vor dem Einsatz Ihren Versicherer.
  • Information der Mandanten: Nach BRAK (Dezember 2024) und BStBK (Januar 2026) besteht keine ausdrückliche berufsrechtliche Pflicht, über den KI-Einsatz zu informieren. Fließen personenbezogene Mandantendaten an einen KI-Dienst, ist nach der BStBK datenschutzrechtlich zu informieren (Art. 13 DSGVO). Die BStBK nennt die Lage im Fluss und hält Information, wenn Mandantendaten betroffen sind oder die KI das Ergebnis beeinflusst hat, zumindest auf Nachfrage für ratsam.

Keine Rechtsberatung: Die Papiere von BRAK und BStBK sind Hilfestellungen mit festem Stand und ersetzen die Prüfung im Einzelfall, im Zweifel fragen Sie Ihre Kammer. Zu Daten und Verträgen siehe KI und Datenschutz im Unternehmen, zu Regeln im Haus KI-Richtlinie und Governance. Aus Kanzlei und Steuerbüro liegt uns keine Referenz zu KI vor, zu Webauftritt und Marketing gibt es die Seiten für Rechtsanwälte und Steuerberater.

Häufige Fragen

Darf ich Mandantendaten in ChatGPT eingeben?›
BRAK und BStBK beschreiben strenge Voraussetzungen: Dienstleistervertrag nach § 43e BRAO oder § 62a StBerG, sonst Einwilligung des Mandanten oder Anonymisierung. Ob es in Ihrem Fall zulässig ist, klären Sie mit Ihrer Kammer. Das ist keine Rechtsberatung.
Muss ich Mandanten sagen, dass ich KI einsetze?›
Nach BRAK (Stand Dezember 2024) und BStBK (Stand Januar 2026) besteht keine ausdrückliche berufsrechtliche Pflicht. Datenschutzrechtliche Informationspflichten können bestehen, wenn Mandantendaten an einen KI-Dienst gehen.
Wer haftet für Fehler einer KI?›
Der Einsatz entbindet laut BRAK und BStBK nicht von der Verantwortung, Berufsträger prüfen und verantworten das Ergebnis. Eine Beurteilung von Haftungsfragen im Einzelfall geben wir nicht.
Darf KI Schriftsätze schreiben?›
Als Entwurf mit Prüfung. Das Kammergericht Berlin hielt Anwälte an, KI-Texte zu prüfen, nachdem erfundene Zitate in einem Schriftsatz standen.

Stand: 14. Oktober 2026

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